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Breites Spektrum für mehr Brillanz

In der Abteilung für Invasive Kardiologie entwickelt der Klinikdirektor Priv.-Doz. Dr. Christoph K. Naber mit seinem Team sowohl Spektrum als auch Spezialistentum kontinuierlich weiter. Ein Konzept, das in allen Bereichen der Invasiven Kardiologie – dem Herzkatheterlabor, der Elektrophysiologie, der Aufnahmestation, der Notaufnahme und bei den Schrittmachern und Defibrillatoren – gleichermaßen angewendet wird. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr vertrauten noch mehr Patienten und Zuweiser den Experten des Herz- und Gefäßzentrums am Elisabeth-Krankenhaus – insbesondere bei komplexeren kardiologischen Krankheitsbildern, die hier erfolgreich therapiert werden konnten.
 
Im Fokus stand dabei die Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen wie beispielsweise der Ersatz der Aortenklappe. Dieser wird immer dann notwendig, wenn die eigene Klappe verengt ist, also eine so genannte Aortenklappenstenose vorliegt, oder eine „Ermüdung“ dazu führt, dass die Klappe nicht mehr richtig schließt. In beiden Fällen muss das Herz eine enorme Pumpleistung erbringen, die auf Dauer zu einem Versagen des Herzens (Herzinsuffizienz) führt. „Erkrankungen der Aortenklappen treten in der Mehrzahl bei älteren Menschen auf, deren schwache Grundkonstitution eine belastende Operation nicht zulässt. Der Ersatz der Aortenklappe mittels Katheter ist dann häufig der letzte Ausweg“, so Christoph Naber, der gemeinsam mit seinem Team jährlich bei etwa 80 Patienten eine neue Aortenklappe einsetzt. Mit beachtlichen Ergebnissen: „Für die Patienten beginnt mit der neuen Klappe häufig ein neues Leben, da Körper und Herz wieder belastbar sind und dadurch alltägliche Handlungen wieder möglich sind. Eine 92-jährige Patientin beispielsweise, die vor dem Eingriff bettlägerig war, schickte mir ein an ihrem 93. Geburtstag aufgenommenes Bild, das sie fröhlich feiernd mit ihrer Freundin zeigt. Und geht es nach ihrem Herzen, wird diese Dame noch einige schöne Geburtstage erleben.“

Wie jede medizinische Prozedur, so ist auch der Aortenklappenersatz nicht frei von Risiken. Während des Eingriffs können sich beispielsweise Partikel von den Gefäßwänden lösen, die dann mit dem Blutkreislauf ins Gehirn wandern und dort Schlaganfälle verursachen können. Um dieses Risiko auf ein Minimum zu reduzieren, setzt man in der Klinik für Kardiologie und Angiologie seit vergangenem Jahr eine Art „Schutzschirm“ ein, mit dem solche Partikel abgefangen und anschließend entfernt werden.
 
Die guten Erfahrungen mit dem Aortenklappenersatz ermutigten die Essener im vergangenen Jahr dazu, auch ein Verfahren zur Wiederherstellung der Mitralklappenfunktion einzuführen. Ist diese Klappe, die den linken Vorhof von der linken Herzkammer trennt, undicht, fließt Blut zurück in den Vorhof und von dort in die Lunge. Mit einem Spezialkatheter ist es nun möglich, die undichte Klappe „zu nähen“ und so die Funktion wieder herzustellen. „Leider kommen nicht alle Patienten für diesen Eingriff in Frage, die Entscheidung darüber, ob ein Patient für das Verfahren geeignet ist, muss von Fall zu Fall getroffen werden“, erklärt der Kardiologe.
 
Ebenfalls mit einem kleinen Implantat, dem „Watchman“, versorgten die Kardiologen im Herz- und Gefäßzentrum am Elisabeth-Krankenhaus 2010 erstmals in Nordrhein-Westfalen eine Patientin mit Herzrhythmusstörungen. Das System wird im Vorhofohr befestigt und verhindert dort Gerinnselbildungen, die zu einem lebensbedrohlichen Vorhofflimmern führen könnten.
Mit einem verhältnismäßig sanften Eingriff können die Mediziner auch Menschen mit Bluthochdruck dauerhaft helfen. Resultiert dieser nämlich aus einer Veränderung der Nierenarterie, so kann diese im Herzkatheterlabor abladiert, also verödet werden – eine Medikamenteneinnahme zur Behandlung des Bluthochdrucks ist anschließend nicht mehr notwendig.
 
Auch was den Einsatz von Stents betrifft, nach wie vor einer der häufigsten Eingriffe im Herzkatheterlabor, sind die Invasiven Kardiologen auf dem aktuellsten, wissenschaftlich abgesicherten Stand. „Bei der neuesten Generation von beschichteten Stents baut sich die Polymerbeschichtung im Körper ab, was die Patientensicherheit noch einmal nachhaltig erhöht. Die Quote der Menschen, deren Gefäße sich nach einem Eingriff erneut verengen, liegt mittlerweile bei deutlich unter zehn Prozent – was einen wirklichen Fortschritt darstellt“, so Christoph Naber.
 
Von dem breiten Erfahrungsspektrum, über welches das Team mittlerweile verfügt, profitieren neben den Patienten in Essen und Umgebung zunehmend Menschen in anderen Teilen der Welt. Denn das Training von Kollegen, vor allem im asiatischen Raum, steht für die Mannschaft der Invasiven Kardiologie mehrmals jährlich auf der Agenda, insbesondere wenn es um den Aortenklappenersatz und neue Schrittmachertechnologien geht. Auch Live-Schaltungen aus dem Katheterlabor am Klara-Kopp-Weg zu internationalen Kongressen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, denn Herzbilder mit der Essener Signatur genießen mittlerweile weltweit Anerkennung.